Nach den beiden Besuchen aus Deutschland war ich etwas lädiert und outsurfed. Es wurde Zeit die Seele baumeln zu lassen und dem vom Ozean gequälten und gestählten Körper seine wohlverdiente Pause zu gönnen. Im Galopp ging es also wieder nach Nicaragua.

Mitten im Nicaraguasee, ein riesiger See mitten in Nicaragua, befindet sich eine Vulkaninsel namens Ometepe. Hier besuchte ich eine Kommune um mein Yoga- und Meditationgame etwas nach vorne zu bringen. Zu Beginn war mir das Ganze einen Tick zu hippie. Aber meine anfängliche Skepsis verflog nach ein paar Tagen und es gefiel mir dann doch sehr gut. Ich blieb sogar ganze drei Wochen und hatte hier wahrscheinlich die beste Zeit bisher. Workshops, viele hübsche Frauen, Nacktbaden, Sonnenuntergänge am Pool, auch mal ein Abendessen am Pool und jeden Freitag einen kleinen Rave (als Droge zeit man eine  Überdosis an Kakao, das lässt die Pumpe kreisen)… es war wunderbar!

Danach ging es wieder an die Küste. Ich verbrachte die nächsten zwei Monate an meinem Lieblingsstrand und in meiner Lieblingsunterkunft, Hostel Clandestino. Erbaut und geführt von einem jungen deutschen Paar (mit zwei Kindern und einem dritten in der Pipeline) besteht das Ding aus mehreren Holzbungalows, quasi mitten im Dschungel und ist 10 Minuten vom Strand entfernt. Hier war ich bereits im Januar. Diesmal konnte ich als Volunteer  aushelfen und dafür umsonst pennen. Eine Zeit lang schlief ich unterm Dach und konnte nachts die Blitze am Himmel bewundern. DIe Moskitos haben mich dann aber doch trotz Moskitonetz fertig gemacht …

Als Volunteer hatte ich eher wenig zu tun, und wir waren sowieso zu zweit. Also konnte ich meine vielseitigen Talente unter Beweis stellen: u.a. als Pizzabäcker, Babysitter, Surfcoach und Massagetherapeut. Auch beim sogenannten „Swag Aufdrehen“ habe ich mir einen Namen gemacht.

Der Surf war unerwarteterweise vor allem am Anfang katastrophal. Aber nach ca. 2 Wochen haben sich die Winde wieder eingepegelt und ich hatte hier die besten Sessions meines kurzen Surflebens. Oohh, Junge Junge…Epic!!!

Während wir einfach und glücklich dahinlebten hat sich die politische Lage in Nicaragua leider ziemlich flott verschlechtert. Aufgrund einer Erhöhung der Sozialabgaben kam es zu Demonstrationen, dabei wurden mehrere Menschen (anscheinend von der Polizei) erschossen. Daraufhin kam zu vielen weiteren Demonstrationen gegen die Regierung, bei denen noch mehr Menschen umgebracht wurden. Ende Juni waren es mehr als 200 Tote. Die Medien schreiben es der Regierung, während die Regierung alles abstreitet. Es wurden nach und nach immer Straßenblockaden errichtet, um den Druck auf die Regierung zu erhöhen, so dass die u.a. Hauptstadt Managua kaum noch zugänglich war und auch die Panamericana komplett dicht war. Unser Surfort ist recht abgelegen und von den Tumulten weit entfernt. Allerdings ist der Tourismus in Nicaragua vor allem im Juni schnell in den Keller gegangen. Wir hatten teilweise gar keine und ansonsten vergleichweise wenige Gäste. Als es dann in der nächsten großen Stadt (San Juan) keinen Sprit mehr gab und der einzige große Supermarkt leere Regale vorwies, brach dann doch etwas Panik aus. Wir hatten uns schon daraf engestellt in den nächsten Wochen nur noch Reis mit Bohnen essen zu müssen. Hotels und Surfcamps haben dicht gemacht und auch wir wollten eigentlich nach Costa Rica abhauen.  Auf jeden Fall war ich aufgrund der Situation stellenweise doch recht angespannt. Bei der Güterversorgung gab es dann zum Glück Nachschub und ich bin bis Ende Juni  Nicaragua geblieben. Danach flog ich von Costa Rica nach Berlin, begutachtete kurz die Familie und den neuen Nachwuchs und flog zwei Tage später direkt weiter nach Indien.

Mitten in der Nacht in Mumbai angekommen, stelle ich fest, dass ich mit meinen Kreditkarten kein Geld abheben kann und nur 30 Euro in der Tasche habe. Der Taxifahrer will für eine 4 Stunden Fahrt 50 Euro haben . Er bringt mich in eine schäbige, dunkle Seitenstraße, in das buchstäblich 2 qm große Reisebüro seines Chefs und irgendwie schaffen wir es doch eine Kreditkartenzahlung zum Halsabschneiderpreis zu berwerkstelligen. Die Taxifahrt beginnt erstmal mit drei dubiosen Fahrer- und Fahrzeugwechseln. Die Inder erscheinen mir alle irgendwie sehr friedlich und freundlich also vertraue ich ihnen irgendwie. Aber der Fahrstil meines Taxifahrers ließ mich schon auf sehr gute Airbags hoffen und sein Musikgeschmak gab mir den Rest …

Den Zielort erreicht, verbrachte ich die nächsten zwei Tage damit, 20-30 verschiedene Gelautomaten erfolglos auszuprobieren und meiner Bank hinterher zu telefonieren bis dann endlich meine Karten wieder entsperrt wurden. Inzwischen ist alles gut und ich arbeite wie geplant in einem Meditationsresort, allerdings geht es mir hier auch nicht allzu schlecht 🙂

Zum Schluß noch ein heißer Tipp für die zweite Jahreshälfte: wer schon immer mal mit der allerbesten Sportart anfangen oder weitermachen möchte und endlich mal einen richtigen Erholungsurlaub braucht (statt wie eine faule Gurke zwei Wochen lang am Pool rumzugammeln), der organisiert sich einen Flug nach Agadir und bucht sich bei diesem fantastischen Surfcamp in Marokko ein (bin mindestens bis Weihnachten da): https://endosurf.com/
Vom 01.08 bis zum 14.08 August bin ich wieder in Berlin (2.08-5.08 kurzer Technoausflug nach Polen). Also bis bald! Ich freue mich!

 

[foogallery id=“1039″]

Beteilige dich an der Unterhaltung

2 Kommentare

  1. Schicke Bilder Weltenbummler! Sieht traumhaft aus, da juckts einem direkt nen Flug zur Hippie Kommune nach Nicaragua zu buchen. Biste jetzt eigentlich schon Surf-Profi mit Hang-Ten, Tube fahren und son Zeugs?

    1. Nee, das noch lange nicht. Zum Tube fahren fehlt noch ein gutes Stück. Bei allen bisherigen Versuchen wurde ich richtig zerlegt. Aber mit etwas Glück könnte mal eine Tube vielleicht mal drin sein. Hang Ten funktioniert nur auf longboards

Schreibe einen Kommentar

Antworte auf den Kommentar von Janis Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert