Kuba, Costa Rica und Nicaragua

Mit meinem kritischen, ehemaligen Arbeitskollegen Christoph, Mitbegründer des kritischen Filmabends, reiste ich zwei Wochen lang durch Kuba und nahm den Kommunismus unter die Lupe.

Fotografieren konnte ich auf Kuba leider kaum: Während meiner letzten Wanderung in Ecuador hatte meine Nikon-Kamera zu viel Regen und Hagel abbekommen und sich damit nach 8 Jahren wahrer Freundschaft von mir verabschiedet. Ich war leicht geknickt. Aber zwei Tage später gab auch meine Handykamera plötzlich den Geist auf. Also lehnte ich mich zurück und ließ diesmal meine Mitreisenden die Fotos schießen.

Kuba fühlte sich im Vergleich zu meinen bisherigen Reisezielen deutlich anders an und kann einem am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen. Hier wirkt alles noch etwas old-school, vor allem die Autos. Die Vielfalt an Nahrungsmitteln ist eher begrenzt. An meinem ersten Tag in Matanzas (wenig Tourismus) stand ich in einem kleinen Supermarkt und fand halbleere Regale vor, es gab hauptsächlich Kekse in 5kg Tüten und riesige Konservendosen mit eingelegten Tomaten. Es wird trotzdem alles leergekauft. Man kauft halt, was es gerade gibt. Die Supermärkte haben generell keine Riesenauswahl. In touristischeren Gegenden sieht es vor allem in den Restaurants etwas besser aus, aber auch nicht zu üppig und da ich schon seit längerer Zeit kaum noch Fleisch und Fisch esse, war meine häufigste Mahlzeit vermutlich Käsepizza.

Internet bzw. W-LAN gibt es nur an öffentlichen Parks. Touris und Einheimische sammlen sich in den Parks und geeken gemeinsam an ihren Handys. Internet zu Hause gibt es nicht. Dann gibt es noch zwei Währungen, die CUP (Pesos) für einheimische und die CUC für Touris ( 1CUC= 1US Dollar). Somit zahlen Touris deutlich höhere Preise, Touristenpreise sind auch in anderen Ländern üblich. Hostels gibt es im Grunde kaum. Die Kubaner dürfen aber einzelne Zimmer in ihren Häusern vermieten, das nennt sich dann casas particulares. Man mietet sich also bei den Einheimischen ein und kommt dadurch mit ihnen stärker in Kontakt.

Auch Christoph hatte ein paar kleinere Startschwierigkeiten auf Kuba. Sein Spanisch-Vokabular umfasste geschätzt ca. 20 Wörter, davon kam meistens auch nur das Wort „Si“ zum Einsatz. Wenige Kubaner sprechen Englisch. Eines Abends kam ich Heim zu unserer Casa und fand Christoph auf der Terrasse sitzend mit drei kubanischen Frauen und einem Mann. Sie redeten alle gleichzeitig auf ihn ein, während er nur nicken oder mit den Schultern zucken konnte.

Die Kubaner vermieten meistens Räume für zwei Personen. Hier und da wurde heftig um das größere Bett gestritten, aber ohne Protest konnte ich dem 2 Meter-Riesen das große Doppelbett nicht überlassen.

Unsere Route startete in Matanzas. Es folgten Santa Clara, Trinidad, Viñales und zum Schluss Havanna. Wir lernten am Anfang unserer Reise ein deutsches Reiseteam kennen, Anka und Robin, und haben fast die ganze Tour durch Kuba gemeinsam bestritten. So konnten wir uns immer ein Taxi teilen statt Busse nehmen zu müssen. Autos sind auf Kuba sehr teuer, also gibt es größtenteils sehr schöne alte Kisten oder ab und an mal Pferdl mit Kutsche.

Insgesamt waren Christoph und ich nach zwei Wochen Kuba ziemlich begeistert. Hier läuft nicht alles rund. Das US-Embargo macht die Situation auch nicht einfacher. Aber vieles ist richtig gut. Die Gesellschaft kommt mir wirklich gleicher vor als in anderen Ländern. Es gibt freie Bildung und freie medizinische Versorgung für alle sowie weitere Unterstützung vom Staat. Ich habe in den zwei Wochen kaum Armut gesehen und keinen einzigen Obdachlosen,was nicht heißt, dass es keine gibt aber im Vergleich zu den bisher besuchten Ländern in Mittel- und Südamerika merkt man das schon deutlich. Städte und Straßen sind überraschend sauber. Ich fühlte mich hier so sicher wie in keinem anderen Land in Lateinamerika bisher. Auch Nachts durch Havanna spazieren war kein Problem.

Wenn die Kubaner mit ihrem Salsa loslegen, ist eh alles vorbei! Ich war so begeistert, dass ich sogar Salsa Kurse in Havanna nahm. Meine beiden Salsa-Lehrerinnen waren leicht verzweifelt, denn beim Tanzen kam der steife Eisenbieger durch. Havanna an sich war wahrscheinlich die schönste Stadt, die ich bisher auf meiner Reise sah. Landschaftlich war vor allem Viñales ein Highlight und die Strände haben zwar keinen Surf sind aber auch sehr sahnig.

Von Havanna aus flog ich nach Panama City und fuhr von dort aus direkt weiter nach Costa Rica. Mein nächster Stopp hieß Santa Teresa.

Das ist ein wirklich sehr guter Beachbreak und 1-2 mal die Woche gibt es Raves am Strand. Ständig auf Achse zu sein ist auf Dauer etwas anstrengend. Hier gefiel es mir auf Anhieb sehr gut. Also mietete ich mich für fast einen Monat ein und verbrachte Weihnachten und Silvester.

Von Santa Teresa aus ging es weiter nach Nicaragua, Playa Maderas. Hier hauste ich quasi mitten im Dschungel in einem kleinen Hostel, bestehend aus Holz und Hängematten. Ab und an sieht man wie ein paar Äffchen über die umliegenden Bäume klettern und sich Papayas krallen und zum Strand sind es 10 Minuten barfuß. Der Surfspot machte mich am Anfang etwas skeptisch, die Wellen waren ziemlich klein. Nach einer Woche gab der Ozean endlich etwas Gas und es wurde ca. schulter- bis kopfhoch. Für mein Level perfekt. Bisher der beste Spot, den ich in meinen 3 Wochen in Nicaragua gesurft bin, auch wenn es tagsüber sehr voll ist.

Seit ich in Mittelamerika bin, gibt es nur noch Strandleben. Es wird hauptsächlich gesurft und vom Reisen habe ich inzwischen genug. Wenn ich nicht gerade den Ort wechsle besteht mein Alltag im Grunde aus 1-2 mal Surfen, Essen, Lesen, ab und an ein Mittagsschlaf in der Hängematte und meistens geht es auch früh ins Bett. Manchmal bin ich auch zum Surfen zu faul und deshalb hängt an der Wand eine Zeichnung von meiner Nichte als Motivator, auf der ich hart am rippen bin (was in der Realität nicht der Fall ist).

Wenn ich abends zum Sonnenuntergang nicht im Wasser bin, sitze ich am Strand und mache Fotos, inzwischen habe ich auch eine neue Kamera.

Meine einzige touristische Unternehmung in den letzten beiden Monaten beschränkt sich auf die Stadt Granada, Nicaragua. Von hier aus besuchte ich einen aktiven Vulkan. Tagsüber sieht man nur den Rauch aus dem Krater aufsteigen und einem wird von den Gasen etwas schwindelig (in Deutschland wäre das vermutlich verboten) aber abends kann man auch Lava im Krater erkennen.

Zum Schluss gibt es noch ein paar gute News. Ich lande am 1.08 wieder in Berlin und bleibe ca. 2 Wochen da. Ab Mitte August geht es nach Marokko, worauf ich mich schon sehr freue. Hier werde voraussichtlich bis Jahresende in meinem heißgeliebten Surfcamp arbeiten, entweder als Fahrer oder Teamer für Surfanfänger.

Das wars mal wieder liebe Freunde. In ein paar Monaten gibt es Nachschub. Weiter unten gibt es mal wieder eine kleine Bildergalerie.

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