Bewaffnet mit Thrombosestrümpfen starteten wir von Madrid aus unsere Reise nach Peru. Die Anreise zu unserem ersten Ziel sollte nur ca. 40h dauern. Am Flughafen Lima angekommen, mussten wir uns zunächst einen halbwegs gemütlichen Platz zum Übernachten suchen. Aiko, mein compañero und Reisebuddy für die ersten zwei Monate, fackelte nicht lange, rollte seine Yogamatte aus, holte sein Arsenal an warmen Klamotten ausm Rucksack und kombinierte diese zu einer umgekehrten Zwiebel. Dieser Fuchs hat dabei auch noch die Rucksäcke mit der Leash an seinem Fuß befestigt, damit sie ihm beim Schnarchen nicht geklaut werden.

Am nächsten Morgen nahmen wir noch einen Flug und nach zwei weiteren Busfahrten waren wir endlich an unserem ersten Ziel angelangt: Lobitos.

Nach dem Einchecken im Hostel sind wir erstmal losgezogen um die Wellen zu begutachten. Wir wussten bereits, dass es sich um einen kleinen Ort handelt, in dem man in einfachen Verhältnissen lebt. Doch dass wir in einer absoluten  Geisterstadt landen werden, war uns nicht klar.

Überall nur Ruinen und Bruchbuden. Ich glaube nicht, dass ich schon mal einen dermaßen runtergekommenen Ort gesehen habe. Wenn ich das richtig verstanden habe, war das mal ein ziemlich beliebter Ort für die peruanischen Touristen. Doch die bleiben sein ein paar Jahrzehnten aus und jetzt gehört die Gegend wohl dem Militär. Im linken Flügel des Hauses auf dem oberen Bild wohnt sogar ein Paar. Sie zahlen umgerechnet 25€ Miete monatlich an das Militär. Ein peruanischer Statiker kann auch mal beide Augen zudrücken. Auf jeden Fall ist das der perfekte Ort um mal einen korrekten Zombiefilm zu drehen.  Ein erstes Casting haben wir schon mal durchgeführt.

Unbeirrt von der Umgebung zogen wir die Neos an und gönnten uns noch am Anreisetag gleich die erste Surfsession. Schnell wurde klar, die Wellen hier sind nicht von schlechten Eltern sondern feinste Demeter–Qualität. Kein wunder, dass hier so viele Surfhostels sind. Hier laufen zwei bis drei wirklich perfekte linke Wellen und die sind auch noch richtig lang. In dem Mainspot Piscinas läuft man sogar direkt ins Line–Up wieder rein nachdem man die Welle gesurft ist.

In den frühen Morgenstunden sind wir teilweise komplett alleine im Wasser gewesen. Falls da vor 9 Uhr noch andere Surfer ins Wasser kamen, waren das meistens „kooks“ (Pfeifen), die entweder zu tief sitzen oder nicht peilen wie man die Welle anpaddelt. Aiko sagt dazu nur: „Chewbacca, alle Systeme sind ausgefallen…“

Der Surf war hier so phänomenal, dass ich hier innerhalb von einer Session mehr linke Wellen als in meinem ganzen Surf-Leben zuvor hatte und die waren auch noch ziemlich lang (in Marokko läuft zugegebenermaßen fast alles nach rechts). Hier und da taucht im Line–Up eine Robbe auf und grüßt. An anderer Stelle liegt aber ein riesen Robbenkadaver und bringt jede Nase zum kollabieren. Wahrscheinlich  komme ich nochmal hierher wenn ich demnächst wieder in Peru auf der durchreise nach Ecuador bin.

Nach ein paar Tagen verließen wir Lobitos und machten uns auf Richtung Süden, surften an zwei weiteren Orten und kamen schließlich nach 1,5 Wochen in Chicama an, ein Ort an dem die längste linke Welle der Welt läuft.  Angeblich bis zu 4km sollen es sein, jedoch hat sie noch keiner komplett durchgesurft. Leider war zu wenig swell da (nicht genug Welle) während wir vor Ort waren und so lungerten wir in unserem Hostel rum oder gingen doch ins Wasser und nahmen ein paar knie- bis hüfthohe Wellen.

An unserem Abreisetag sollte endlich etwas mehr Welle reinrollen und ich hatte mir bereits ausgerechnet, dass wir noch zwei Sessions abliefern können bevor wir den Bus nehmen. Daraus wurde aber nichts. Am Abend zuvor kauften wir uns Avocados mit suspekt glatter Haut (das Fruchtfleisch aber tiptop) und aßen diese als Guacamole zum Abendessen. Ich wachte morgens auf und rief zu Aiko, dass mein Magen flau sei und ich mich gleich übergeben werde. Er machte zunächst noch einen Joke über mich und sagte, er würde gleich trotzdem ins Wasser gehen. Ca. 15 Minuten später saß er aber auf der Schüssel und gab alles was er hatte.  Den Rest des Tages lagen wir komplett zerstört im Bett und versuchten zwischendurch unseren Kram zusammenzupacken. Wenigstens hatten wir noch 18 Stunden Busfahrt vor uns. Glücklicherweise haben die Straßen im Norden Perus mehr Krater als der Mond (hier gab es durch die heftige Regenzeit am Anfang des Jahres einige Überschwemmungen).

Entsprechend bedient kamen wir in Lima an, wurden jedoch direkt abgeholt und zu Cecilia‘s Mom gebracht. Cecilia habe ich auf Hamudis Hochzeit diesem Sommer kennengelernt. Sie lebt in Berlin und hat es gedeichselt bekommen, dass wir bei Ihrer Mom in Lima unsere Bretter einlagern können. Ein Riesen Dankeschön an dieser Stelle an Cecilia, ihre Schwester Lucy und ihre Mutter Jesus (ja so heißen manchmal Frauen in Lateinamerika) für die riesen Hilfe.

Nun konnte unser Touriprogramm starten. Wir flogen nach Iquitos, eine Stadt mitten im Amazonas-Dschungel Perus, die nur per Boot oder Flieger zu erreichen ist. Ich fand einen vielversprechenden Dschungelguide im Reiseführer und buchte eine 4 tägige Tour in den Dschungel.

Mit dabei waren zwei deutsche Boys: Lukas und Marius. Sie kamen in ihren Semesterferien nach Peru um als Freiwillige an einer Schule im Norden auszuhelfen. Es ging ursprünglich darum den Jugendlichen moralische bzw. ethische Werte zu vermitteln. Als sie an der Schule ankamen, waren die Zustände anders als erwartet. Dort waren keine Jugendliche sondern Kids und die Schule selbst war heruntergekommen. Also starteten sie über Whatsapp, Facebook und co. einen Spendenaufruf, sammelten 3600 Euro und haben mit ihrer Wertarbeit die gesamte Schule kräftig aufgemöbelt. Danach kauften sie Spielzeug und ließen einen Zahnarzt kommen, der alle Kids mal durchgecheckt hat. Da sieht man mal, was alles geht wenn man nur will. In meinem kritischen Herzen haben die Jungs einen Platz sicher und eine Gin-Tonic-Spende beim Besuch im Berlin.

Zusammen mit unserem Guide Walter ging es nun in den Amazonasdschungel.  Mit kleinen Holzbooten fuhren wir durch unzählige kleine enge Flüsse und bestaunten die Natur. Bei den Wanderungen zwischendurch holte Walter seine Machete raus und hackte den Weg frei. Wir sahen viele Tiere, aßen Früchte, lernten kleine Dörfer im Dschungel kennen und angelten in den Abendstunden unseren Fisch. Zu Glück konnte Walters Gehilfe deutlich besser angeln als wir, sonst wären wir verhungert. Nachts konnte man einen tollen Sternenhimmel und lauter Glühwürmchen um sich herum beobachten. Ein Hammer Trip war das.

Bei einer Expedition in der Nacht wurde ich plötzlich von der sog. Armadillo Wasp gestochen. Laut Recherchen im Internet einer der schmerzhaftesten Stiche überhaupt. Einem Löwen macht der Schmerz nichts aus, aber dass meine fruity Hand so dick anschwoll und ich mit meinem Daumen kaum noch meine Finger berühren konnte, war dann doch nicht so korrekt.

Bei einer Exkursion am Tag nach dem Dschungeltripp besorgte ich mir auf Empfehlung irgendeinen Anaconda-Schleim am Schamanenstand auf dem großen Belen-Markt in Iquitos. Abends im Hostel schmierte ich mir diesen Schleim auf meine Hand und warf kurz darauf das Zeug in die Tonne, der Geruch war katastrophal. Zwei Stunden später beim Abendessen merkte ich wie die Schwellung deutlich zurückging. Begeistert von dem Heileffekt ging ich dann doch weider zur Tonne im Hostel um das Zauberfläschchen zurück zu holen. In der Zwischenzeit wurde aber die Tonne entleert und ich hatte noch ein paar Tage lang meine Michellinmännchenhand.

Unsere nächste Station hieß Cusco. Eine wirklich sehr schöne Stadt in den Bergen Perus. Ursprünglich wurde Sie mit pumaförmigem Umriss von den alten Inkas erbaut. Dabei haben sie riesige Steine perfekt zurecht geschlitzt und ineinander gefügt. Wie sie das gemacht haben, ist heute noch unklar. Als die spanischen Eroberer kamen und die Inkas wegrasiert haben, bauten sie als Dank auch noch ihre Häuser einfach drüber, was ein interessantes Stadtbild ergibt.

Nachdem wir uns Cusco genauer angeschaut haben, machten einen Tagesausflug auf den sog. rainbow mountain (bunter berg). Hier muss man von ca. 4300m auf 5200m bis zum Gipfel hochsteigen. Der Anstieg dauert ca. 2h und bringt die Pumpe ordentlich zum beben und Aiko zum Fluchen. Das Ganze sollte als Warmup für die nächsten Tage dienen.

Wir kamen nämlich auf die tolle Idee einen 3 tägigen Hike zum Machu Picchu zu machen. Als Ausrüstung hatten wir zwei Wander-Profis jeweils eine Jeans und unsere Turnschuhe dabei (ich trug meine flachen Skaterschuhe). Wir liefen bis zu 36km am Tag durch Steine, Geröll und Matsch. Immerhin hat es ab und an viel geregnet und manchmal sogar geschneit. Doch auch nachts war es Arschkalt im Zelt. Am 4. Tag kamen wir gg 6 Uhr morgens nach 1,5 Stunden Treppensteigen endlicham Ziel an. Und da war er, der Machu Pichhu…

Dieser Anblick enttäuschte den einen oder anderen Touristen und ließ ihn weiterlaufen. Unbeirrt warteten wir als geduldige Surfistos einfach 5 Minuten und konnten dann doch noch die Postkartenshots für unsere Muttis schießen.

Die gesamte Anlage ist sehr beeindruckend und nicht umsonst das Highlight Perus. Ziemlich abgefahren, was die Inkas da im Detail gebaut haben. Ich war froh am Ende der Woche wieder in einem Bett zu sein, denn meine Füße glühten wie Eisen und Aikos Nase lief wie ein Wasserfall. Es war ein sehr intensiver Monat. Peru hat unsere Erwartungen auf jeden Fall übertroffen und wir bedanken uns für diese tolle Zeit mit einer kleinen 4/4-Takt Stampfeinlage… (mehr Bilder weiter unten)

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